27 Jun

Studiengang: IT, Management and Innovation (M.Sc.)

IT, Management und Innovation studieren an der Jönköping University

Informatik muss immer etwas mit programmieren zu tun haben? Nein! An der Jönköping University wird Informatik an der Wirtschaftsfakultät gelehrt. Deshalb hat der Studiengang auch eher wenig mit stundenlangem Code verfassen zu tun, sondern hat mit der Struktur von Informationen, dem Werdegang von CIOs oder der Integration von bahnbrechenden Innovationen zu tun. Schweden hat viele revolutionäre Unternehmen vorzuweisen, sodass es nicht verwunderlich ist, dass die Universitäten ihre Studenten zu Entrepreneuren erzieht und zeitgeistliches Denken stark unterstützt. Als eine bekannte Business School, ermöglicht es die Fakultät den Studenten, ihre Fähigkeiten in vielen verschiedenen Bereich auszuüben und fördert den aktiven Austausch mit Unternehmen, um die Mitarbeiter von Morgen auszubilden.

Studiengangsvorstellung

IT, AI, IoT, Machine Learning alles Begriffe die neuerdings in allen möglichen Gebieten ihre Anwendung finden. Doch nur selten kann der Erzählende wirklich erklären, was es damit auf sich hat oder warum das so wichtig ist. In meinem Master ist das anders. Es treffen circa 30 Studenten aus den verschiedensten Teilen der Welt mit noch unterschiedlicheren Studienhintergrund aufeinander. Allein diese Kombination macht das Studium und die zugehörigen Gruppenarbeiten so spannend. Gemeinsam geht es darum Projekte zu entwerfen, kulturelle Hindernisse zu überwinden und den Austausch – auch über die verschiedenen Masterprogramme hinweg – zu unterstützen. Während viele andere Studiengänge für einen Master of Science ein Informatikstudium voraussetzen, konnte ich mich auch „nur“ mit einem Bachelor of Arts in BWL (Schwerpunkt Finanzen) bewerben. Wichtige Voraussetzung ist fließendes English in Schrift und Sprache.

Studiumsverlauf

Die Kombination aus „Business“ und „IT“ ist nicht unbedingt neu und wird in Deutschland oft mit „Wirtschaftsinformatik“ gleichgesetzt. In diesem Studium liegt der Schwerpunkt jedoch nicht auf der Informatik, die oft mit Computer Science gleichgesetzt wird, sondern auf der Informatik, die die Verteilung und Architektur von Informationen beschreibt. Es geht um die Gestaltung von Informationsabläufen, einer Unternehmensarchitektur, die barrierefreien Informationsfluss unterstützt, und dem (Un-)Verständnis zwischen Kunden, Abteilungen, Chefs und Mitarbeitern.

Während das Studium zu Beginn die Grundzüge von Innovationsmöglichkeiten, Zusammenarbeit von unterschiedlichen Kulturkreisen und Projektmanagement lehrt, wird es schnell praxisbezogen und lässt den Studenten viel Freiraum. Jedes Fach wird von mindestens einer Gruppenarbeit begleitet (die immer in unterschiedlichen Zusammensetzungen passieren soll), sodass der Austausch und der Umgang untereinander gefördert werden. Dies kann manchmal sehr herausfordernd sein, bietet aber immer die Möglichkeit über den eigenen Tellerrand zu schauen und andere Sichtweisen umzusetzen.

Anders, als beispielsweise in Deutschland, ist das Semester in zwei Teile geteilt, mit jeweils zwei Fächern. Der erste Teil beginnt Ende August und verläuft bis Mitte Oktober. Danach gibt es eine Prüfungsphase. Ebenso verläuft es von November bis Weihnachten (analog im Sommersemester). Ebenfalls anders als in Deutschland ist, dass das Sommersemester bereits Mitte Januar beginnt. Allerdings haben die Sommerferien eine große Bedeutung in Schweden, sodass die Monate Juni bis Ende August zur freien Verfügung stehen.

Die Einzigartigkeit des Studiengangs

Die Uni bietet ein zweijähriges Programm, welches besonders im zweiten Jahr individuell gestaltet werden kann. Zur Wahl steht im dritten Semester ein Praktikum, ein Auslandssemester (beinahe 350 Partneruniversitäten) oder Wahlfächer in Jönköping. Auch die Masterarbeit kann alleine oder im Team, vor Ort oder überall auf der Welt, mit oder ohne Unternehmen geschrieben werden.

Einzigartig macht das Studium seine Breite, die Vielfalt an Themen und bekannte Dozenten in dem Gebiet „Information Systems“. Wer also Lust hat sich dem Bereich Informatik von einer anderen Seite zu nähern, seinen Horizont mit einem Auslandsaufenthalt zu vergrößern und das Studentenleben kennen lernen möchte, der ist hier richtig.

 

Über den Autor:

Svenja Perret (24)
Studiengang: Betriebswirtschaft Dual (B.A.) / IT, Management and Innovation (M.Sc.)
Uni/Hochschule: Hochschule München / Jönköping University
Regionalgruppe: München

06 Jun

Studiengang: Humanbiologie in Greifswald (B.Sc. )

Die Schnittstelle zwischen der modernen Medizin und der traditionellen Biologie bildet wohl die biomedizinische Forschung. In Greifswald wird dieses Fachgebiet durch den Studiengang Humanbiologie (Bachelor und Master) repräsentiert.

Aufbau des Studiums

In den ersten zwei Semestern wird das Grundstudium absolviert, in dem die allgemeinen Grundlagen aller klassischen Naturwissenschaften wiederholt und erweitert werden. Dazu zählen die Fachbereiche experimentelle Physik, anorganische und organische Chemie, Zellbiologie und Statistik. Im zweiten Studienjahr werden allgemeine Bereiche der Biologie, wie z.B. Zoologie und Evolution vertieft. Zusätzlich beginnt das Hauptstudium und Module wie Immunologie, Virologie, Mikrobiologie und Genetik werden vertieft.

Alle Grundmodule werden in den Semesterferien und teilweise im Semester durch Praktika ergänzt.

Im letzten Jahr des Bachelors können dann die individuellen Vertiefungen gewählt werden. Hier kann man sich für Module entscheiden, die bereits absolvierte Module ergänzen oder man wählt einen komplett neuen Fachbereich wie z.B. Pharmazie, Neurowissenschaften, Rechtsmedizin oder (im kommenden Jahr neu) Parasitologie. Auch werden die gewählten Module durch Praktika und Seminare ergänzt. In den Seminaren wird den Studierenden auch zum ersten Mal die richtige wissenschaftliche Publikation näher gebracht. Das letzte Jahr bereitet also zunehmend auf die eigenständige Arbeit im Labor und die Bachelorarbeit vor.

Das sechste Semester besteht hauptsächlich aus der Bachelorarbeit und weniger aus Vorlesungen.

Allgemeines

Im Großen und Ganzen ist das Studium an der Universität Greifswald sehr zu empfehlen, da es die Studierenden gut in den Grundlagen und in den Vertiefungen der biomedizinischen Forschung ausbildet. Zusätzlich hat man aber auch die Möglichkeit im letzten Studienjahr das Studium individueller zu gestalten, obwohl dies in den Naturwissenschaften eher selten der Fall ist.

Persönlich würde ich zukünftigen Studierenden den Rat geben, sich trotz der vielen Praktika, eine HiWi Stelle (studentische Hilfskraft im Labor) zu suchen. Die Praktika in dem Studium sind meist gut durchdacht und man lernt viele Methoden kennen, jedoch ist das nicht mit der Arbeit in einem richtigen Forschungslabor zu vergleichen, denn erst dort lernt man den eigentlichen Forschungsalltag erst richtig kennen.

Außerdem gilt es noch zu erwähnen, dass das Studium der Biologie viel Lernaufwand erfordert. In der vorlesungsfreien Zeit verbringt man seine Zeit demnach viel zu Hause und/oder in der Bibliothek, um zu lernen. Wenn man sich also nicht sicher ist, was man studieren möchte und einfach nur mit dem Gedanken spielt Biologie zu studieren, weil es in der Schule ganz nett war, sollte man sich das noch einmal überlegen. Sicher, es gibt Fächer die wesentlich schwerer sind als die (Human-)Biologie, jedoch verbringt man seine Semesterferien mehr im Labor, als bei den Freunden in der Heimat. Hier ist also nicht nur Spaß am Lernen, sondern auch Leidenschaft und Interesse an dem Fach und der biomedizinischen Forschung gefragt.

Ist das Interesse und die Leidenschaft an der Biologie und der Medizin gegeben, ist das Studium perfekt geeignet und man kann sich auf 3-5 tolle Jahre in einer wunderbaren kleinen Stadt freuen.

Und mit etwas Glück bekommt man über die Jahre auch die Gelegenheit gute Kontakte zu knüpfen, um anschließend den Traumjob, die Promotionsstelle oder gleich beides zu bekommen.

Über den Autor:

Paula Büttner (24)
Studiengang: B.Sc. Humanbiologie
Uni/Hochschule: Universität Greifswald
Regionalgruppe: –

30 Mai

Studiengang: Politikwissenschaften

Warum wurde Trump Präsident der USA? Weshalb funktionierte die geplante Jamaika-Koalition nicht? Was ist überhaupt Demokratie und wozu brauch ich das?

Das Studium der Politikwissenschaft ist ein sehr vielfältiges Studium. Die oben gestellten Fragen lassen sich in unterschiedliche Teilbereiche integrieren – Internationale Beziehungen, Vergleichende Politikwissenschaft und politische Theorie.

Ich studiere dieses Fach im Rahmen des 2-Fach-Bachlors in Kombination mit Wirtschaft an der Universität Greifswald. Es gibt natürlich Variationen des Faches Politikwissenschaft – ich meine damit, dass es möglich ist, konkrete Fachbereiche zu studieren – wie zum Beispiel Internationale Beziehungen. Hier ist es so, dass ich einen Einblick in alle Fachbereiche erhalten habe – also in die oben genannten, aber auch in die Methodik und das System der Bundesrepublik Deutschland.

Darüber hinausgibt es auch noch einen Unterschied zwischen den Universitäten hinsichtlich der Methodenausbildung. Die Universität Greifswald legt ihren Fokus dabei überwiegend auf die quantitative, als auf die qualitative Forschung. Das bedeutet, dass Zahlen ein wichtiger Bestandteil des Studiums werden, wobei es möglich ist, Notwendiges für die Bereiche zu erlernen.

Aufbau des Studiums

Kurz etwas zum Aufbau meines Studiums hier: Das Studium besteht aus drei Teilen, den beiden Hauptfächer und den General Studies. Je Hauptfach müssen 65ECTS Punkte erreicht werden und 30 ECTS im Bereich der General Studies – und am Ende noch die Bachelorarbeit mit 10 ECTS.

Die General Studies bestehen aus einem Pflichtpraktikumsteil von mindestens 10 ECTS bis zu 20 ECTS – das ist wählbar. Mindestens 10ECTS müssen in anderen Kursen erworben werden. Dabei werden einem viele Möglichkeiten gegeben – von Sprachkursen, über Module der Philosophie, hin zu Vertiefungen der eigenen Fächer. Wobei diese Vertiefung bisher nur für wenige Fächer verfügbar ist.

Schlussendlich:

Ich bin tatsächlich mit meiner Wahl nicht so zufrieden. Für Politikwissenschaft kann ich mich sehr gut begeistern und es gefällt mir auch, allerdings bin ich von Wirtschaft nicht überzeugt. Der Lehrstil ist grundlegend verschieden in den beiden Fächern. In Powi hatte ich nach dem ersten Semester Seminare. Das führte auch dazu, dass sich die Prüfungsform änderte und ich unterschiedliche Leistungen erbringen musste, aber mit dem Hinblick am Ende eine wissenschaftliche Arbeit anfertigen zu können. Das heißt, es wurde in den Seminaren über die Literatur und darüberhinausgehende Aspekte diskutiert, Vorträge gehalten und sich so tiefergehend mit einem Thema auseinandergesetzt. Dies gefällt mir sehr. In Wirtschaft dagegen ist es anders. Dort finden nur Vorlesungen und Übungen statt – Vorlesungen werden dabei klassisch frontal abgehalten und in den Übungen wird Mitarbeit erwartet. Jedes Modul schließt dabei mit einer schriftlichen Prüfung ab.

Anmerkung: Ab dem Wintersemester 2019/2020 soll es eine neue Studienordnung geben und das Studium wird sich formal etwas ändern. Die General Studies werden erweitert, so dass mehr Wahlmöglichkeiten entstehen.

 

Über den Autor:

Laura Mintstedt
Studiengang: Politikwissenschaften und Wirtschaft B.A.
Uni/Hochschule: Universität Greifwald
Regionalgruppe: Greifswald/Rostock/Stralsund

23 Mai

Studiengang: Umweltnaturwissenschaften in Greifswald (B.Sc. )

Allgemeines

Greifswald ist eine kleine Studentenstadt an der Ostsee. Nach größeren Einkaufsmöglichkeiten sucht man hier vergeblich. Dafür hat Greifswald einen schönen Strand und viele nette Cafés und Bars zu bieten und natürlich kann man hier wunderbar studieren!

Die Umweltnaturwissenschaften in Greifswald sind sehr breit gefächert. Man belegt hier viele Physikvorlesungen, Chemie, Biologie, Mathe, Wirtschaft, Recht und Geowissenschaften. Zu den reinen Naturwissenschaften gibt es immer wieder Übungen und natürlich Praktika. Es gibt (kaum) ein Semester, in welchem ihr nicht in einem weißen Kittel im Labor steht.

Die Professoren sind hilfsbereit, setzen sich auch nach der Vorlesung nochmal mit dir zusammen, um deine Fragen zum Vorlesungsstoff zu klären und reagieren auch schnell auf Anfragen per Mail, besonders vor den Prüfungen.

Einziger Kritikpunkt am gesamten Studium: Die Vorlesungen könnten manchmal ein wenig mehr Praxisbezug vertragen.

Aufbau des Studiums

Zu Beginn haben wir die grundlegenden Fächer Physik, Chemie und Mathe, wobei hier ein deutlicher Fokus auf die Physik gelegt wird. In den ersten beiden Semestern werden jeweils eine Physikvorlesung, eine Übung und ein Praktikum besucht. Eine gewisse Affinität zu diesem Fach sollte also schon vorhanden sein, damit ihr gut durch das Studium kommt. Bei der Vermittlung dieses Grundlagenwissens wird immer Wert auf ein ganzheitliches Umweltverständnis und die Kommunikation mit Wissenschaftlern aus verschiedenen Fachgebieten gelegt. In diesem Grundstudium studiert ihr viel mit Studenten aus anderen Fachrichtungen zusammen. Vor allem da ihr auch die Grundlagenvorlesungen aus der Volks- und Wirtschaftslehre besuchen werdet.

Ab dem dritten Semester sind die Module spezifischer auf die Umweltwissenschaften zugeschnitten, sodass es viele Vorlesungen gibt, die nur für euch angeboten werden. Neben der Umweltchemie und der Struktur der Materie (Physik) findet man hier auch das Umweltrecht und die Umweltphysik wieder.

Anders als in anderen Studiengängen könnt ihr euch beim Bachelorstudiengang Umweltwissenschaften nur ein Modul frei wählen, der Rest wird durch den Modulplan vorgeschrieben. Dieses Wahlmodul könnt ihr dann aus dem natur-, rechts- oder wirtschaftswissenschaftlichen Bereich wählen.

Ein Berufspraktikum über vier Wochen ist innerhalb der letzten drei Semester auch zu absolvieren. Dort könnt ihr dann euer geballtes Wissen aus den verschiedenen Praktika anwenden.

Nach dem Studium

Was nach dem Abschluss passiert ist schwer zu sagen, da das Feld, für welches ihr euch mit diesem Studium qualifiziert habt, sehr breit gefächert ist. Einige fangen in der chemischen Industrie oder der Abfallindustrie an zu arbeiten. Einige finden sich in Forschungsanstalten oder in der öffentlichen Verwaltung wieder und wieder andere sind in Verbänden oder der Entwicklungshilfe tätigt.

Mir persönlich hat das Bachelorstudium noch nicht ausgereicht, weswegen ich noch einen Master an der TU Berlin studiere. Den Master kann man aber auch in Greifswald studieren (dort hat man dann mehr Wahlmodule im Stundenplan) oder man sucht sich eben andere Universität.

 

Über den Autor:

Annika Kumm (24)
Studiengang: B.Sc. Umweltnaturwissenschaften, M.Sc. Technischer Umweltschutz
Uni/Hochschule: Universität Greifswald (Bachelor), Universität Berlin (Master)
Regionalgruppe: Berlin

16 Mai

Studiengang: Biologie an der Uni Hamburg

Biologie – die Wissenschaft für Leute, die kein Mathe können?

Die Wissenschaft ist ein spannendes und großes Feld. In der Schule haben wir meistens nur Biologie, Chemie, Physik und Mathe. Wenn ihr später in diesen Bereich wollt, sollte euch erstmal klar sein, dass ihr euch nie nur mit einem der Fächer beschäftigen werdet. Wer Biologie verstehen will, braucht viel Chemie und ja auch zumindest ein Grundverständnis von Physik und Mathe (da vor allem Statistik). Was mir vor meinem Studium noch nicht bewusst war ist, wie viele spezialisierte Ausbildungen es gibt. Wenn Ihr euch allgemein für den Bereich interessiert, guckt auch gerne mal bei „Molecular Life Science“ und „Materialwissenschaften“ rein. Einige meiner Kommilitonen haben, bevor sie ins Studium gegangen sind, eine Ausbildung zur Technischen Assistenz (TA) gemacht. Ich glaube, dass es ein großer Vorteil ist eine Ausbildung im Vorfeld in Betracht zu ziehen. Die ausgebildeten TAs hatten es im Studium leichter, wussten welche Bereiche für Sie passen und konnten oft das Studium verkürzen. Nebenbei konnten sie weiterhin in Betrieben arbeiten und Berufserfahrung sammeln.

Euch sollte bewusst sein, dass es zwar möglich ist, nur einen Bachelor Abschluss zu machen, aber die Jobs rar sind. Die Erfahrung zeigt, dass die Leute mit einer abgeschossenen Ausbildung, den Bacheloranten oft vorgezogen werden. Sie haben schließlich mehr Erfahrung im Labor. Ihr werdet also wahrscheinlich auf einen Master hinarbeiten – das bedeutet 5 Jahre Ausbildung, es lohnt sich also genauer zu recherchieren, was auf euch zukommt.

Nun aber mal zu dem, was euch interessiert – wie ist das Studium denn jetzt so?

Die ersten zwei Semester sind für die Basics da. Chemie, Physik, Mathe und da müsst ihr durch. Manchmal hört man, dass die Unis damit „sieben“ wollen, aber ganz so schlimm ist es nicht. Ich würde behaupten, dass jeder die Prüfungen bestehen kann, man muss halt nur lernen. Das Gefühl, dass ein Professor wollte, dass die Studenten nicht bestehen, ist bei mir nie aufgekommen. Der Campus an der Uni Hamburg ist für die Biologen leider etwas fragmentiert und gerade in den ersten Semestern werdet ihr etwas pendeln müssen. Das Hauptzentrum ist in Klein Flottbek und hier seid ihr etwas ab von dem Rest der Hamburger Studenten, was Vor- und Nachteile hat. Biologie ist ein weites Feld und ihr werdet euch mit Tieren, Pflanzen, Pilzen und Bakterien beschäftigen müssen. Das bedeutet auch dafür offen zu sein, Tiere aufzuschneiden, um ein Verständnis von den Organen zu bekommen, durch Wälder zu gehen und Pflanzen zu bestimmen, bis hin zum Formeln lernen, um biochemische Stoffwechselwege zu verstehen. Egal, ob ihr am Ende Strukturanalysen von Proteinen in einem Labor macht oder Gutachten für den Naturschutz schreibt – alle müssten mal lernen, was der Unterschied zwischen einem Tag- und einem Nachtfalter ist. Wenn ihr die ersten vier Semester hinter euch habt, könnt ihr anfangen euch zu überlegen, in welchen Bereich ihr wollt und sucht euch eine Arbeitsgruppe für die Bachelorarbeit. Hier liegt es oft an euch, wie schnell ihr fertig werdet. Andere Unis scheinen sehr genaue Vorgaben und strenge Fristen zu haben, aber an der Uni Hamburg muss man selber die Disziplin haben, wenn man das schnell durchziehen will.

Ihr habt euren Abschluss in der Tasche, was jetzt?

Da ich selber noch am „Mastern“ bin, kann ich es euch auch nicht genau sagen. Eine Sache, die euch bewusst sein sollte ist, dass die meisten Jobs auf dem Markt für die technischen Berufe sind. Das sind dann Jobs in der Mikrobiologie und alles was mit Proteinen/ Enzymen zu tun hat. Es gibt natürlich immer Jobs für Ökologen, Pflanzenphysiologen etc., aber je kleiner der Markt, desto mehr müsst ihr euch von der Masse abheben. Taxifahrer müsst ihr trotzdem nicht werden, aber seid immer bereit etwas Neues zu lernen.

Mir hat das Studium bis jetzt sehr viel Spaß gemacht, natürlich gibt’s immer eine Prüfung, die einem schwer fällt oder einen Kurs, durch den man sich etwas pushen muss, aber das Feld gefällt mir super und ich würde es definitiv weiterempfehlen. Meine Dozenten waren immer hilfsbereit und die meisten haben sich auch die Zeit genommen, wenn man mal Fragen hatte, die über die Vorlesung hinaus gingen.

Ein letzter Hinweis, den ich gerne allen mit auf den Weg geben möchte: Behandelt das Studium wie einen normalen Job mit 8 Stunden. Ihr werdet mal lange Tage haben, wo ihr den ganzen Tag in der Uni seid. Aber nutzt die kurzen Tage, an denen ihr nur ein paar Vorlesungen habt und bereitet euch schon am Anfang des Semesters auf die Prüfungen vor. Ihr erspart euch so viel Stress, wenn ihr kontinuierlich an der Stange bleibt.

 

Über den Autor:

Lars Brandes (27)
Studiengang: Biologie
Uni/Hochschule: Universität Hamburg
Regionalgruppe: –

09 Mai

Studiengang: Lehramt an Grundschulen (Staatsexamen)

„Studieren, wo andere Urlaub machen“

Wie studiert es sich in Rostock?

Entschließt man sich in Mecklenburg-Vorpommern zu studieren, dann muss man sich einiges klar machen: Hier gibt es nicht viel außer Felder, Kühe und eben die Ostsee mit ihren wunderschönen Stränden. Allein Berlin hat doppelt so viele Einwohner als ganz M-V. Wir Norddeutschen legen hier eine Gelassenheit an den Tag, die nicht jeder versteht und uns deswegen als mürrisch bezeichnen würde. Vielleicht sind wir nicht die freundlichsten Menschen, dafür sind wir aber ehrlich. Dieser Ehrlichkeit begegnet man hier überall und eben auch im Studium. Das ist aber keinesfalls als falsch zu verstehen, denn man weiß gleich woran man bei den Menschen und im Studium ist, worauf man achten sollte und wie man am besten durch das Studium gelangt.
Rostock ist das wirtschaftlich-kulturell urbane Zentrum des Landes und gilt als bedeutende Großstadt im südlichen Ostseeraum. Die Universität ist die älteste und traditionsreichste im Ostseeraum, an der aktuell ca. 14.000 Studierende immatrikuliert sind.
Die Nähe zum Stadthafen (ca. 5min Fußweg) und zum Strand (ca. 15min Bahnfahrt) bietet für viele Studierende einen angemessenen Ausgleich zum stressigen Uni-Alltag. Die Sommerabende werden hier draußen am Strand mit einem Weinchen oder eben am Stadthafen mit Bratwurst und Bier verbracht. Auch kulturell bietet Rostock viele Möglichkeiten. So findet jährlich die HanseSail hier statt, aber auch an Museen, Ausstellungen und Konzerten mangelt es hier nicht.
Außerdem zählt die Südstadt Mensa zu den drei Besten in ganz Deutschland.

Wie ist der Studiengang aufgebaut?

Allgemein besteht der Studiengang  aus 8 Fachsemestern und einem Prüfungssemester. Nach diesen 4,5 Jahren hat man dann das Erste Staatsexamen, in dem man die Berufsfähigkeit erlernt hat. Im Anschluss macht man dann das Zweite Staatsexamen als Referendariat an einer Schule für 18 Monate. In Mecklenburg-Vorpommern ist es gesetzt, dass man vier Grundschulfächer studiert. Davon sind Mathematik und Deutsch obligatorisch und die anderen beiden Fächer kann man sich frei zusammenstellen. Wählbar sind Werken, Sachunterricht, Englisch, Französisch, Philosophieren mit Kindern, Evangelische Religion, Sport, Kunst und Musik, sowie Elementare Musikpädagogik oder Musik mit künstlerisch-wissenschaftlicher Vertiefung. Es besteht bei den einzelnen Fächern keine Kombinationspflicht. Neben den Grundschulfächern muss man verschiedene Bildungswissenschaftliche und Grundschulpädagogische Module abschließen. So lernt man nicht nur den Unterrichtsstoff der einzelnen Fächer, sondern auch das Drumherum, wie man Unterricht plant und Kindern etwas lehrt.  Außerdem sind in der Studienordnung vier Pflichtpraktika in verschiedenen Bereichen der Kinder- und Jugendbetreuung integriert, sodass man ein allumfassendes praktisches Bild über die Entwicklung des Kindes erhält.

Im Studium

Während des Studiums lernt man viele verschiedene Aspekte des Menschseins kennen, da die Ausbildung so umfassend ist, dass man nicht nur „1 plus 1“ lernt, sondern eben auch wie sich Kinder entwickeln und es psychologische Inhalte gibt, die dann mit den pädagogischen Elementen verknüpft werden. Ferner gibt es viele verschiedene Angebote für alle Interessen, so kann man Kurse belegen, die speziell die Mediendidaktik schulen, lernen wie man einen Schulgarten anlegt und damit unterrichtet, oder verschiedene Kooperationen zwischen Schulen, Eltern und außerschulischen Partnern wie Unternehmen oder verschiedene Vereine kennenlernen. Neben all diesen Kursen gibt es verschiedene Vortragsreihen, z.B. zum Umgang mit besonderen Schülergruppen, zur Stressbewältigung im Studium oder im Job und zur finanziellen Absicherung nach dem Studium. Natürlich kann man auch Vorlesungen anderer Studiengänge besuchen oder am Sprachenzentrum eine neue Fremdsprache lernen oder auffrischen.
Zum Lehramtsstudium allgemein kann ich sagen, dass die Vorlesungen und Seminare sehr offen gestaltet sind und die Mitarbeit der Studenten gefordert wird. Ansonsten ist das Grundschullehramtsstudium eigentlich ziemlich entspannt, da es auch gut und gerne mal einen Tag in der Woche gibt, an dem man keine Veranstaltungen hat. Dennoch ist das Studium nicht weniger wert als andere Studiengänge wie manche behaupten. Richtig ist zwar, dass wir angehenden Grundschullehrer nicht eine spezielle Sache vertiefend und bis ins kleinste Detail studieren, sondern alles universell betrachten, da die Grundschule ja den Grundstein für die weiterführende Schule legt, wichtiger noch die Kinder auf das spätere Leben vorbereitet. So ist die Grundschullehrkraft nicht nur Lehrkraft, sondern auch Berater, Pädagoge, Begleiter und Erzieher. Auf diese Aufgaben und noch viel mehr bereitet das Studium sehr gut vor, gerade weil die theoretischen Inhalte mit den praktischen Beispielen sehr gut verknüpft werden und wir über die Praktika schon früh einen Zugang zur Kinder- und Jugendbildung erfahren.

Wie geht es nach dem Studium weiter?

Nach dem Studium ist vor dem Studium“ heißt es doch so schön, denn im Anschluss an die Erste Staatsexamensprüfung geht es im besten Falle direkt in die zweite Phase der Lehramtsausbildung: Dem Referendariat, welches nach 18 Monaten mit dem Zweiten Staatsexamen abgeschlossen wird. Im Gegensatz zum Ersten Staatsexamen wird hier die Berufsfertigkeit erlernt.

Während des Referendariats soll das nötige Handwerkszeug erworben werden , um später selbstständig guten Unterricht zu gestalten. Das theoretisch Gelernte soll hier umgesetzt und mit den praktischen Erfahrungen verknüpft werden. Nach dem Referendariat und bestandener Prüfung geht es dann in den Berufseinstieg. Hier soll alles Gelernte dann in Routinen überführt werden, um guten Unterricht zu leisten.

Quellen: „Studienguide für Lehrämter“. Geschäftsführung ZLB. 2016. Rostock

Über den Autor:

Hannes Berger (23)
Studiengang: Lehramt an Grundschulen
Uni/Hochschule: Universität Rostock
Regionalgruppe: Greifswald/Rostock/Stralsund

02 Mai

Studiengang: Kulturwirtschaft B.A. an der Universität Passau

Studiengang: Kulturwirtschaft B.A. an der Universität Passau

Du interessierst dich für andere Kulturen und Sprachen und gleichzeitig gefällt es dir wirtschaftliche Vorgänge zu verstehen und mitzugestalten? Du möchtest gerne in einem internationalen Kontext studieren? Du fragst dich, ob Kultur und Wirtschaft überhaupt zusammenpassen?

Letztes Wochenende war ich auf dem Ask. Mitgliederwochenende in Berlin (was übrigens äußerst zu empfehlen ist) und ich habe wieder einmal bemerkt, wie kompliziert es ist, auf die einfache Frage: „Und, was machst du so?“ zu antworten. Ich studiere nämlich Kulturwirtschaft, oder auf Englisch etwas „fancier“ ausgedrückt International Cultural and Business Studies. In jedem Fall kann sich die Mehrheit meiner Gesprächspartner nichts darunter vorstellen. Da es meiner Meinung nach ein großartiger Studiengang ist, möchte ich ihn dir heute etwas näherbringen.

Kulturwirtschaft, oder auch liebevoll Kuwi genannt, ist ein interdisziplinärer Studiengang. Das bedeutet, dass verschiedene Wissenschaftsdisziplinen fachübergreifend kombiniert werden. Kuwi verbindet wirtschaftswissenschaftliche Kenntnisse mit zwei angewandten Fremdsprachen und einem kulturwissenschaftlichen Schwerpunkt in einer von dir gewählten Sprachregion (Kulturraum). Dementsprechend verläuft jedes Studium sehr individuell, abhängig von deiner persönlichen Fächerwahl und -kombination. Der Vorteil ist, dass du somit deine diversen Stärken zusammenbringen, Fragestellungen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten und ein Blick für das „große Ganze“ bekommen kannst.

Aufbau

Das Studium besteht aus 5 Modulen. Die zwei größten Module sind die Wirtschaftswissenschaften und die Kulturraumstudien.

Die Wirtschaftswissenschaften lehren dich zunächst Betriebswirtschaftliche (BWL) und Volkswirtschaftliche (VWL) Grundkenntnisse. Später vertiefst du entweder BWL oder VWL.

In den Kulturraumstudien stehen dir 7 Kulturräume zur Wahl: Angloamerikanisch, Französischsprachig, Italienisch, Iberoromanisch (Spanien, Portugal & Lateinamerika), Ostmitteleuropäischer und Südostasiatischer. In deinem gewählten Kulturraum beschäftigst du dich mit kulturwissenschaftlichen Fragen sowie Literaturwissenschaft oder Sprachwissenschaft. Du lernst sowohl geschichtliche und politische Aspekte als auch ästhetische und gesellschaftliche. Des Weiteren kannst du dein Wissen in dem Bereich vertiefen, der dir am Besten gefällt. Ich habe beispielsweise nach einem Jahr gemerkt, dass mir die Politikwissenschaft, insbesondere die Disziplin Internationale Beziehungen besonders gut gefällt.

In den drei anderen Modulen wählst du zunächst zwei Sprachen aus 13 zur auswahlstehenden Sprachen aus. Zusätzlich erwirbst du interkulturelle Kompetenzen und lernst international zu kommunizieren. Das letzte Modul ist ein verpflichtender Auslandsaufenthalt in Form eines Auslandsstudiums oder Praktikum.

Ich persönliche studiere mit dem Fokus auf iberoromanischen Kulturraum, Internationale Beziehungen und VWL. Meine Sprachen sind Französisch und Spanisch. Mein Auslandssemester habe ich in Tunis, Tunesien verbracht.

 

Zukunftsperspektiven

Mit dem Abschluss als Kulturwirt_in eröffnest du dir vielfältige internationale Berufsmöglichkeiten in Industrie und Handel, im Tourismus, bei Banken, Versicherungen, Kulturorganisationen, in der Politik, in NGOs, im öffentlichen Dienst oder der Medienbranche. Je nach individueller Profilbildung und Schwerpunktsetzung sind zum Beispiel Vertrieb und Kundenbetreuung, Einkauf, Marketing, Personalwesen, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Organisation oder Aus- und Weiterbildung mögliche Tätigkeitsbereiche. Nach dem Abschluss des Bachelors kannst du direkt in den Beruf einsteigen oder – insbesondere, wenn du eine Führungsposition oder wissenschaftliche Karriere (Promotion) anstrebst – dein Wissen durch ein Masterstudium erweitern und vertiefen.

Passau

Mein Studienort Passau liegt ganz im Südosten Deutschlands. Mit 50.000 Einwohnern ist Passau zwar eine kleine Stadt, trotzdem erwecken über 12 000 Studierende aus der ganzen Welt die Stadt zum Leben. Der Campus liegt direkt an der Donau und wurde in der Vergangenheit zum schönsten Campus in Deutschland gekürt. Die Wege sind kurz, die Lebensqualität sehr hoch, die Freizeitmöglichkeiten reich und das Wetter fast immer sonnig.

Fazit

Da meine Interessen sehr divers sind, habe ich in meinem interdisziplinären Studiengang die perfekte Möglichkeit gefunden meine Stärken zu vereinen. Ich profitiere davon, Einblicke in verschiedene Wissenschaftsdisziplinen zu bekommen und somit Problematiken aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten und bewerten zu können. Der Vorteil, individuell seine Fächerwahl zusammenzustellen, ist gleichzeitig eine Herausforderung. Es ist wichtig, immer einen roten Faden zu behalten und die unterschiedlichen Lehrveranstaltungen aufeinander zu beziehen.

Wenn du jetzt neugierig geworden bist, stehe ich immer gerne für Fragen oder Tipps zur Verfügung! Gerne nehme ich dich auch für eine Tag mit in meinen Unialltag. Ich freue mich, von dir zu hören.

Sonnige Grüße aus der Dreiflüssestadt Passau!

Karoline

Über die Autorin:

2019-05-18_-_Karoline Möller_-_Blogbeitrag_Kulturwissenschaften1

Karoline Möller (24)
Studiengang: Kulturwissenschaft B.A.
Hochschule: Universität Passau
Regionalgruppe: Jahrgang 2013 in Kiel; jetzt Alumna in München

18 Apr

Studiengang: Nachhaltige Rohstoff- und Energieversorgung

Nachhaltigkeit studieren an der RWTH Aachen

 

Rohstoffe. Was wäre eine Welt ohne Rohstoffe? Eine Welt, in der es kein Smartphone gäbe, weil nicht nur die seltenen Erden für die Elektronik, sondern auch die Materialien für das Gehäuse fehlen würden. Zudem wäre die Stromversorgung ein Problem, das nicht unbeachtet bleiben würde. Rohstoffe machen unser tägliches Leben aus. Doch wer kümmert sich eigentlich darum, dass all die Rohstoffe, die uns zum Beispiel täglich als Bus zur Uni oder Arbeit bringen, auch in der Produktion verfügbar sind?

Ich möchte in diesem Blogbeitrag meinen Studiengang „Nachhaltige Rohstoff- und Energieversorgung“ (ehemals Rohstoffingenieurwesen) vorstellen. Als ich selbst zum ersten Mal davon gehört habe, reagierte ich erstmal unwissend. Leichtes Schulterzucken, ein Blick, der sagt: „Aha, klingt ganz nice“. Die gleiche Reaktion wie die Meisten, denen ich selbst davon erzähle. Ich konnte mir wenig darunter vorstellen, außer dass man später wohl als Ingenieur die RWTH Aachen verlässt. Das reicht natürlich nicht aus, um eine Studienentscheidung zu fassen. Es galt, mehr über diesen Studiengang in Erfahrung zu bringen und meine Fragen zu beantworten.

Was macht man eigentlich als Ingenieur der nachhaltigen Rohstoff- und Energieversorgung? Wo eröffnen sich dadurch Arbeitsmöglichkeiten im Berufsleben? Wie sieht das Studium aus? Und wieso habe ich eigentlich noch nie etwas davon gehört?

Aufbau des Studiengangs

Letzteres liegt vermutlich daran, dass es mittlerweile einen schier unendlich wirkenden Pool an Studiengängen gibt. Da gehen Studiengänge, die nicht gerade BWL, Maschinenbau oder Medizin heißen, schnell unter. Die „Nachhaltige Rohstoff- und Energieversorgung“ (ich kürze das jetzt mal einfach mit NREV ab) kann vielleicht keine generelle Bekanntheit, dafür aber tiefe Wurzeln,vorweisen. Die NREV basiert auf dem schon 1880 eingeführten Studiengang „Bergbaukunde“ und hat auch heute noch eine Vertiefungsrichtung „Bergbau“. Zu dieser gesellen sich die beiden anderen Vertiefungen „Energie“ und „Recycling“. Daran lässt sich schon erkennen, dass der Studiengang sich seit 1880 weiterentwickelt hat und mit den Themen der Zeit gegangen ist.

Grundsätzlich wird man als Student der NREV als Ingenieur ausgebildet. Dazu gehören klassisch Mechanik und Mathematik in verschiedenen Ausführungen. Diese Fächer gehören zum Ingenieursstudium wie die Briefmarke zum Brief und sind auch allgemein bekannt. Sie machen aber nur einen Teil des Grundstudiums aus. Bei weiterer Betrachtung der Module wird schnell klar, dass sich der Studiengang bemüht, seine Studenten möglichst breit aufzustellen. So finden Elektrotechnik, Wärmetechnik und Chemie als ingenieursspezifische, aber auch BWL, Recht sowie Englisch als ergänzende Pflichtfächer Einzug in den Modulkatalog. Ich selbst muss sagen, dass gerade diese breite Fächerung für Abwechslung im Studium gesorgt hat und dafür gesorgt hat, nicht mit Scheuklappen des eigenen Faches durch sein Studium zu gehen. Dabei hilft auch, dass viele Fächer nicht NREV eigen sind, sondern zusammen mit Umweltingenieuren, Maschinenbaustudenten oder BWLern gehört werden.

Die eben schon erwähnten Vertiefungsrichtungen Bergbau, Energie und Recycling folgen dann in den späteren Semestern. Die Vertiefung Bergbau beinhaltet beispielsweise die Rohstoffwirtschaft, bei der wichtige Rohstoffgüter (zum Beispiel Kohle oder Kupfer) auf dem Weltmarkt betrachtet und die Prozesse des Marktes analysiert werden. Gleichzeitig lehrt die Rohstoffgewinnung verschiedene Verfahren, um unterschiedliche Rohstoffe verfügbar zu machen, beispielsweise im Tagebau oder Untertagebau. Den Rohstoffweg aus der Erde zum Rohstoff schließt die Aufbereitung ab, die sich mit der Freilegung des zu gewinnenden Rohstoffs befasst- bei der also Verunreinigungen abgetrennt werden und der Rohstoff angereichert wird.

Im Bereich des Recyclings liegt der Fokus auf der Rohstoffrückgewinnung. Dadurch fallen die direkten Abbauverfahren aus dem Lehrplan weg und Fächer wie die thermische Abfallbehandlung in Müllverbrennungsanlagen und Emissionsminderung stehen auf dem Lehrplan. Außerdem finden sich auch Fächer der Abfallwirtschaft wieder, die die Wertschöpfungskette des Abfalls beleuchten. Wo entsteht dieser, wie muss mit diesem umgegangen werden und wie kann dieser verwertet werden – sei es thermisch oder als Recyclat nach der Aufbereitung. Gerade in einer Welt, in der immer mehr Abfall anfällt, den es als allererstes zu vermeiden gilt, nimmt das Recycling jetzt schon eine große Rolle in unserer Zukunft ein.

Zuletzt steht der Energiebereich zur Wahl. Dort wird besonders auf die Energierohstoffe eingegangen. Wie kann man eigentlich Energie aus Biomasse, wie beispielsweise Stroh, gewinnen? Kann ich Kohle einfach aus der Erde holen, anzünden und Strom erzeugen? Und was bedeutet eigentlich „anzünden“? Im Bereich der Energie spielen die fossilen Energierohstoffe ebenso eine Rolle wie die erneuerbaren Energien: Sonne, Wasser oder eben Biomasse. Zudem werden hier Grundlagen der Strömungsmechanik und das Themengebiet der Verfahrenstechnik abgedeckt, da diese besonders in Energieerzeugungsanlagen eine Rolle spielen. Schließlich gilt es möglichst effizient die Energie zu gewinnen, die wir später in Form von Strom oder Wärme nutzen.

Man erkennt, dass der Studiengang wirklich breit aufgestellt ist und den Studenten die freie Wahl lässt, sich nach ihren Interessen zu vertiefen. Besonders das darauffolgende Masterangebot mit dem „Rohstoffingenieurwesen“ oder der „Nachhaltigen Energieversorgung“ passen hervorragend auf die im Bachelor gelernten Themen und Vertiefungen. Dort werden die im Bachelor gelernten Themengebiete weiter vertieft, es stehen aber auch Spezialisierungen zur Wahl. Man kann beispielsweise Fächer wie Energiespeichertechnologien, Photovoltaik oder Nachwachsende Rohstoffe belegen.

Besonders hervorzuheben ist, dass ein Industriepraktikum fest im Studium verankert ist. Die Wahl des Betriebs ist dabei dem Studenten überlassen, wichtig ist nur, darauf zu achten, dass man Einblick in die Arbeitswelt eines Ingenieurs aus der gewählten Vertiefungsrichtung bekommt. Dieses Praktikum kann auch vor dem Studium absolviert werden, zum Beispiel inder Zeit zwischen Abitur und Studium, und kann natürlich auch die Mindestdauer von 40 Tagen überschreiten. Ein Praktikum ist in jedem Fall sinnvoll, denn all das Lernen über die verschiedenen Energieformen kann noch so interessant sein, wenn man aber später keine Tests an Photovoltaikanlagen machen möchte, weil einem der Bürojob besser liegt, sollte man das vorher praktisch erfahren haben. Letztendlich macht ihr das Praktikum ja für euch und ihr habt den Anspruch, aus diesem Erfahrungen für euch mitzunehmen. Beispiel bei mir: ich war vor dem Studium 6 Wochen im Tagebau bei RWE und hatte dort eine sehr spannende Zeit. Mitgenommen habe ich davon, dass ich weiß, nicht im Tagebau arbeiten zu wollen, sondern lieber im Bereich der erneuerbaren Energien – rund um ein gelungenes Praktikum also.

Im Studium

Von der NREV ist ganz klar zu sagen: Es ist anspruchsvoll. Doch was heißt Anspruch? In diesem Fall wirst du nur selten auf die so gefürchteten sogenannten Siebklausuren treffen, die du im Maschinenbau mehrfach im Semester schreibst. Aufgrund der kleinen Studentenzahl von ca. 80 Leuten ist hier kein Heraussieben der Massen an Studenten notwendig. Der Anspruch entsteht aber genau wegen der kleinen Zahl an Leuten. Und zwar an sich selber. Das Studium ist durch diese Kompaktheit so gestaltet, dass man die Chance hat in engem Kontakt mit den Lehrenden zu treten und von den auf dem Themengebiet forschenden Personen viel lernen kann. Allerdings ist das von dir selbst abhängig. Schließlich möchtest du am Ende des Studiums dastehen und behaupten können, du bist Ingenieur der nachhaltigen Rohstoff- und Energieversorgung, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. Man lernt durch die geringe Größe ebenfalls schnell Leute kennen, die einem in einer Lerngruppe unterstützen können und durch eine aktive Fachschaft lernt man schnell auch Studenten aus den Jahrgängen über einem kennen, die dir beim Studienverlauf nützliche Tipps geben können. Da kann ich glücklicherweise ganz klar sagen, dass bei den Leuten in diesem Studiengang das Konkurrenzdenken untereinander keinen großen Stellenwert hat. Gemeinsam kommt man einfach weiter. Vielleicht liegt diese Mentalität einfach nahe, weil sich der Studiengang auch um Nachhaltigkeit dreht. Und auch die Studienberatung steht euch immer kompetent mit Rat und Tat zur Seite, wenn ihr mal nicht wisst, wie genau die Belegung der Fächer funktioniert oder was zu tun ist, wenn ihr eure Bachelorarbeit anmelden möchtet.

Was den Alltag angeht, ist man so frei, wie man das möchte. Der Stundenplan ist voll, beinhaltet aber auch angemessene Lücken, die man selbst zur Verfügung hat. Ob man dann nach-/vorbereitet oder den Lernstoff lieber in der Klausurphase durchpauken möchte, ist einem da selbst überlassen. Es gibt meist eine Vorlesung und eine Übung zu jedem Fach, selten fällt die Übung weg, noch seltener gibt es regelmäßige Selbstrechnungsübungen. Das Selbststudium ist schließlich auch Teil des Studiums.
Ihr habt pro Semester im Schnitt 6-8 Prüfungen, die ihr nach der Vorlesungszeit habt. Viele Unis haben dort freie Zeit oder „nur“ Hausarbeiten, an der RWTH könnt ihr euch drauf einstellen, in dieser Zeit Klausuren zu schreiben. Dabei habt ihr bei vielen Fächern die Möglichkeit, aus zwei Terminen zu wählen, was die Klausurdichte etwas verringern kann. Oder erhöht, je nachdem was ihr lieber haben möchtet. Manche Klausuren sind etwas anspruchsvoller als andere, da könnt ihr gut auf die Erfahrungswerte der anderen Studenten hören. Damit wären wir wieder beim Anspruch. Letztendlich ist das Studium das, was ihr draus macht. Der Studiengangsaufbau und die Umgebung geben euch ideale Voraussetzungen, um euch frei nach euren Interessen entfalten zu können und diese dann zu vertiefen.

Und später?

Vielleicht kommt schon ein bisschen heraus, dass die Vertiefung hier der ausschlaggebende Punkt ist. Habt ihr euch für die Vertiefung „Bergbau“ entschieden, ist ein Berufseinstieg in einem Windkraftunternehmen erstmal schwierig. Dadurch, dass ihr aber so selbstbestimmt wählen könnt und ihr euer zukünftiges Arbeitsfeld im Praktikum bestenfalls schon etwas abgesteckt habt, steht euch der Energiemarkt offen. Ihr könnt in Ingenieurbüros arbeiten, die sich mit Energiemarktanalysen oder Anlagenplanung befassen, ihr könnt in den Anlagenbau gehen und diese auslegen, ihr könnt in Aufbereitungsbetriebe oder in die Abfallwirtschaft gehen, ihr könnt euch aber auch mit eurem Wissen nochmals umorientieren und beratende Funktionen einnehmen. Die Möglichkeit einen Doktortitel zu machen ist hier natürlich auch gegeben. Dabei könnt ihr sehr gut auch international arbeiten, sei es als Anlageningenieur für Photovoltaikanlagen in Japan oder den Abbau von Braunkohle planend in Australien – alles euch überlassen, sofern ihr das möchtet. Der Studiengang der Nachhaltigen Rohstoff- und Energieversorgung bietet euch die Grundlage dafür und ihr könnt das Beste daraus machen.

Ich schließe meinen Bachelor nun ab und habe meine perfekte Wahl getroffen. Die kleine Gruppengröße gefällt mir sehr, die Fächerauswahl ermöglicht mir Gestaltungsfreiheit und ist insgesamt gut abwechselnd aufgebaut. Auch den zwischenzeitlichen Vergleichen, ob das Maschinenbaustudium mit Schwerpunkt Energietechnik mehr für mich geeignet ist, hielt die nachhaltige Rohstoff- und Energieversorgung stand. Ich schätze es sehr, dass ich so direkten Kontakt zur Forschung und den Lehrenden habe, sodass ich ohne Zweifel behaupten kann, dass ich mich auf diesem Gebiet sicher auskenne. Zudem ermöglichen die verschiedenen interdisziplinären Fächer eine Ablenkung und Bereicherung, die es mir ermöglichen, auch nach dem Studium noch in die Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit zu gehen. Genau deswegen würde ich diesen Studiengang auch so nochmal studieren.

Nachhaltigkeit studieren geht also – und sollte in unserer konsumgeprägten Welt auch nicht außer Acht gelassen werden.

 

Über den Autor:

Hendrik Heider (23)
Studiengang: Rohstoffingenieurwesen
Uni/Hochschule: RWTH Aachen
Regionalgruppe: NRW

28 Mrz

Studiengang: Sprechwissenschaft

Der Studiengang: Sprechwissenschaft

… ist das sowas wie Logopädie?

Sprechwissenschaft ist viel mehr als nur Logopädie! Denn neben dem klinischen Bereich lernt man zum Beispiel rhetorische Modelle kennen, erarbeitet Texte aus dem Theater, übt das Unterrichten von Lehrern oder Schauspielern und untersucht die Merkmale der deutschen Aussprache…

Wie ich dazu kam…

Nach meinem Abitur war mir relativ schnell klar, dass ich nichts Naturwissenschaftliches studieren möchte. Auch Kunst und Musik lagen mir nicht sonderlich gut, aber machten wenigstens mehr Spaß. Sprachen waren das Einzige, was mich wirklich interessierte und besonders die Deutsche. Aber welche Richtung sollte ich mit diesem Interessensfeld einschlagen? Germanistik? Erschien mir zu trocken. Lehrerin? Dafür fehlt mir die Geduld. Logopädie? Gibt es zwar auch als Studiengang, aber da scheint man mit einer Ausbildung besser dran zu sein…
Und dann gab es da ja noch die anderen Dinge, die für mich in Frage kamen: Schauspiel, Theater, Psychologie… Aber welcher Studiengang sollte diese Teilgebiete vereinen?
Wie es manchmal so ist, geriet ich über drei Ecken an ein Universitätspraktikum bei der Sprechwissenschaft in meiner Heimatstadt Halle. Ich war sofort begeistert! Und ab da ging alles ganz schnell:
Ich hörte von der Eignungsprüfung, die immer schon im April stattfindet, auch wenn das Studium erst zum Wintersemester startet. Im Internet suchte ich nach Kliniken und HNO-Ärzten, die ein sogenanntes phoniatrisches Gutachten erstellen. Im Grunde soll dieses Gutachten bestätigen, dass man später einmal einen sprechintensiven Beruf ausüben können wird, ohne dass dabei Schädigungen an der Stimme auftreten (einige Lehramtsbewerber müssen das zum Beispiel auch machen).
Dieses Gutachten sendete ich an das Institut und bekam damit automatisch eine Einladung zur Eignungsprüfung (das Gutachten darf nicht älter als ein halbes Jahr sein).
Für die Prüfung „durfte“ ich ein Volkslied und ein Gedicht zwei unabhängigen Jurys aus Professoren und Mitarbeitern vortragen. Außerdem musste ich einen Rhythmus nachklatschen und einige Töne nachsingen. Ich war erstaunt, dass es so gut klappte, denn Musik hatte ich eigentlich in der zehnten Klasse abgewählt. Das schwierigste war für mich eine kleine spontane Rede zu der Frage, was ich von einer Helmpflicht für Fahrradfahrer halten würde. Da musste ich mich echt konzentrieren, die richtigen Argumente zu finden und nicht herum zu stottern. Mittlerweile glaube ich, die Jury hat dabei aber mehr auf meine Sprechweise geachtet (also zum Beispiel, ob ich einen Dialekt habe). Einige meiner Mitstudierenden hatten vor der Prüfung ein paar Logopädie-Stunden genommen, um daran zu arbeiten. Dann wartete ich fünf furchtbare Minuten auf dem Flur und als ich wieder rein durfte, sagten Sie mir: „Wir sehen uns im Oktober!“. Ich musste mich nur noch ganz normal immatrikulieren, da mein Abi-Durchschnitt unter dem NC von 2,3 lag (Die erreichten Punkte der Eignungsprüfung werden mit dem Abi-Durchschnitt verrechnet. Der NC ergibt sich natürlich jedes Jahr neu, aber er lag bisher nie unter 2,0).

Wie das Studium abläuft…

In den Einführungsveranstaltungen erklärte man uns: Das Studium teilt sich in die 4 Säulen Rhetorik, Phonetik, Sprechkunst und klinische Sprechwissenschaft auf. Wir lernen die Grundlagen dieser Säulen kennen und in allen Bereichen die Fähigkeiten, um auch selbst auf diesem Gebiet methodisch- didaktisch zu arbeiten. Dadurch können wir am Ende Rhetoriktrainer, Phonetiker, Sprechbildner für Schauspieler und Sprecher oder – wie ich es nenne- „studierte Logopäden“ werden.
Ich war erstaunt, als ich das Fach „Entspannung“ auf dem Stundenplan las. Aber im Laufe des Semesters lernte ich diese Veranstaltung zu lieben. Auch unseren Bewegungsunterricht, der oft anstrengend und anfangs auch etwas unbehaglich war: Denn dabei gab es viel Körperkontakt mit meinen Mitstudierenden und wir mussten einander vertrauen. Gut, dass wir nur 30 Leute pro Jahrgang sind und niemand von uns wirklich zurückhaltend ist. Auch Schüchternheit ist bei uns fehl am Platz: Im ersten Semester bestand eine Erwärmung aus dem Nachahmen von Tiergeräuschen und Bewegungen. Auch wenn das zunächst eher lustig klingt: Das Verbessern der eigenen Stimme, der Atmung und der Körperhaltung ist harte Arbeit und ließ mich schon oft an meine Grenzen gehen. Das große Highlight eines Semesters ist das Vorsprechen, bei dem wir einen fünfminütigen Text unserer Wahl auf einer Bühne vor all unseren Mitstudierenden und Profs vortragen dürfen. Ab dem zweiten Semester gibt es dafür auch eine Note.
Ansonsten sieht ein ganz normaler Tag bei mir so aus: Um 10 Uhr geht es in die Uni (wenn ich Glück mit den Einschreibungen hatte und mein Stundenplan daher gut geworden ist). Dann höre ich Vorlesungen mit viel PowerPoint-Untermalung oder wir gestalten unsere Seminare selbst, denn dafür gibt es auch meistens Noten. Im Interesse der Mitstudierenden wird das Ganze dann so aufbereitet, dass die erste Stunde Spaß macht und wie im Flug vergeht. Oder wir lösen Aufgaben und führen Dialoge, die dann zu einer „versteckten Erkenntnis“ führen. Auf all unsere Leistungen geben wir uns gegenseitig ein Feedback, was ich sehr schätzen gelernt habe. Dann geht es schnell in die Mensa und ab zum Bewegungsunterricht (vorher nicht zu viel mampfen!). Abends habe ich dann immer noch Zeit für meine eigenen Hobbies und auch über den Lernaufwand kann ich mich nicht beschweren. Die Bibliothek besuche ich meist nur kurz vor den Prüfungen regelmäßig.
Apropos Prüfungen: Im ersten Studienjahr hatten wir viele Theoretische. Besonders das Auswendiglernen aller Atemmuskeln war etwas mühselig, aber hat sich am Ende auch irgendwie gelohnt. Eine mündliche Prüfung ist auch immer dabei, aber die darf man zum Glück zu dritt durchstehen – so konnten wir uns schon oft bei einer schwierigen Frage gegenseitig rausboxen. Auch eine Hausarbeit und viele Vorträge durfte ich schon im Teamwork erledigen, was sich meiner Meinung nach in den Noten positiv bemerkbar macht.

Wie es danach weiter geht…

„Und was macht man später mal damit?“ Leider ist die Frage gleichwohl nervig als auch berechtigt. Auf unserer Homepage liest man dazu: ehemalige Absolventen und Absolventinnen seien heute in der Beratung, der Lehre oder dem Gesundheitswesen tätig. Als Ausbilder für sprechintensive Berufe oder als Kommunikationstrainer, auch als Therapeut von Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen kann man eine Anstellung finden. Für mich haben diese Begriffe erst so richtig Gestalt angenommen, als ich meine Pflichtpraktika absolviert hatte und einen wirklichen Einblick in die einzelnen Gebiete bekommen habe. Ich glaube, wenn man ein wirkliches Interesse für sein Teilgebiet mitbringt, kann man auch mit diesem ausgefallenen Studiengang einen guten (und auch gutbezahlten) Job finden. Die Master-Möglichkeiten scheinen auch erstmal etwas begrenzt zu sein. Es gibt drei sehr spezialisierte Mastermöglichkeiten in Stuttgart; den Master Sprecherziehung in Münster, Regensburg, Göttingen, Düsseldorf und den Master in Speech Science mit der Spezialisierung Sprechwissenschaft. Natürlich kann man auch in Halle den Master Sprechkunst/ Rhetorik/ Phonetik oder Klinische Sprechwissenschaft belegen. Alles in Allem macht mir mein Studium jeden Tag aufs Neue großen Spaß und daher bin ich auch bereit, in Zukunft einige Hürden zu nehmen, um bei meinem Traumjob zu landen.

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Über den Autor

Elisabeth Böhm (23)
Studiengang: Sprechwissenschaft B.A.
Uni/Hochschule: Universität Halle (Saale)
Regionalgruppe: HAL 2012

„Mir gefällt am Studienkompass, dass man sich mit Fragen zum Studium nie alleine gelassen fühlt.“

21 Mrz

Studiengang: Physik

Das Physikstudium an der Universität Paderborn

Physik ist ein althergebrachtes Studium, welches sich bereits im Bachelor vielen Phänomenen widmet, ohne die unsere heutige Welt, so wie wir sie kennen nicht funktionieren würde.

Formales zum Studiengang

Die Eingangsvoraussetzung für ein Physikstudium ist in der Regel die allgemeine Hochschulreife. Durch Ablegen besonderer Prüfungen vor Studienbeginn ermöglichen es einzelne Universitäten bereits vor dem Abitur Physik zu studieren.

Im Zuge der Bolonga-Reform wurde das Physikstudium in Deutschland vom Diplomstudium auf ein Bachelor-Master-Studium umgestellt. Dabei beträgt die Regelstudienzeit für den Bachelor 6 und für den Master 4 Semester, wobei die durchschnittliche Studiendauer im Bereich von 8 Semestern für den Bachelor liegt.

Der Bachelor-Studiengang ist primär darauf ausgerichtet, Grundkenntnisse in allen Bereichen der Physik zu vermitteln. Dies bedeutet, dass alle großen Teilgebiete der Physik sowohl experimentalphysikalisch als auch theoretisch behandelt werden. Darüber hinaus gibt es in den ersten Semestern Mathematikveranstaltungen, die sich inhaltlich wenig vom Mathematikstudium unterscheiden. Zusätzlich gibt es zu den Experimentalphysikveranstaltungen Praktika, bei denen man zusammen mit einem Praktikumspartner im Labor unter Aufsicht Versuche durchführt. Diesen Versuchen geht eine mündliche Abfrage der Grundlagen des jeweiligen Versuches und der Durchführung voraus. Im Anschluss wird ein Bericht geschrieben, dessen Umfang durchaus 10 bis 30 Seiten betragen kann. Hierfür wird empfohlen, sich in das Textsatzprogramm LateX einzuarbeiten, welches in den Naturwissenschaften sehr weit verbreitet ist und gerade beim Schreiben von Texten mit vielen Formeln, griechischen Buchstaben, Bildern, etc. Programmen wie Word überlegen ist. Zu Beginn des ersten Praktikums gibt es eine ausführliche Einführung in das Programm sowie beispielhafte Berichtvorlagen. Spätestens für die Bachelorarbeit wird dieses Programm vorausgesetzt.

Wahlmöglichkeiten sucht man in den ersten Semestern vergebens, ab dem 5. Semester kann man erstmals unter starken Beschränkungen wählen. Durch diese Wahlen legt man sich hinsichtlich späterer Möglichkeiten im Master oder Beruf nicht fest, da im Bachelor lediglich die gelegt werden. Im Master hingegen gibt es fast keine verpflichtenden Veranstaltungen, sodass eine Spezialisierung in einen der verschiedenen universitätsspezifischen Forschungsschwerpunkte möglich ist. Allerdings ist eine Spezialisierung ohnehin für eine Masterarbeit angebracht.

Da im Bachelor zunächst die Grundlagen gelegt werden, gibt es zu den Vorlesungen reichlich Literatur. Die momentanen Standartwerke sind alle relativ neu, sodass es diese bei den meisten Universitätsbibliotheken als pdf-Datei kostenlos zum Download gibt. Daher müssen in den ersten Semestern keinerlei Bücher gekauft werden. Auch in den höheren Semestern gibt es zu den Vorlesungen viele gute, neue Bücher, sodass man kein Buch anschaffen muss (aber durchaus kann). Auch die Programme für LateX sind kostenlos im Internet verfügbar. Als Kosten fallen jedes Semester die Semestergebühren an, welche je nach Universität mit einem verpflichtenden Semesterticket 200 bis 300 € betragen; an Universitäten ohne Semesterticket 100 bis 200€. Sofern man diese regelmäßig nutzt, spart man unterm Strich meist einiges an Fahrkosten.

Die Physik als Studiengang gibt es an einem Großteil der Universitäten in Deutschland. Dabei unterscheiden sich die Studiengänge im Aufbau, wenn auch weniger im Inhalt. Zu beachten ist, dass je nach Forschungsschwerpunkten der jeweiligen Universität eine Spezialisierung im Master nur eben auf diese möglich ist, wobei diese Spezialisierung nichts Endgültiges oder Verbindliches für die spätere Berufslaufbahn hat. Auch der Wechsel nach dem Bachelor zu einer Universität, deren Schwerpunkte mit den eigenen Interessen gut übereinstimmen, ist problemlos möglich.

 

Im Studium

Im Studienalltag gibt es fast ausschließlich Vorlesungen, zu welchen keine Anwesenheitspflicht besteht. Allerdings gibt es nicht zu jeder Vorlesung ein digitales Skript, sodass auf diesem Wege ein Besuch der Vorlesung fast zwingend wird, was nur zu gut (oder auch schlecht) an die Schule erinnert. Begleitet werden die Vorlesungen von Übungen, für welche im Vorfeld Übungsaufgaben gemacht werden sollen. Je nach Dozent werden die Übungszettel vorher eingesammelt, korrigiert und bepunktet und in der Übung die Lösungen besprochen, oder die Aufgaben werden in der Übung lediglich besprochen. Meist ist eine aktive Übungsteilnahme in einer vorgegebenen Form Voraussetzung für das Bestehen der Klausur, sodass es indirekt verpflichtend sein kann, zumindest zwei bis der Mal im Semester zur Übung zu erscheinen; bei einer Bepunktung der Übungszettel können die Übungszettel als Teil der Prüfungsleistung mit in die Note der Veranstaltung eingehen. Teilweise werden zu bestimmten Veranstaltungen noch Tutorien angeboten, an denen man freiwillig teilnehmen kann und in denen die Vorlesungsinhalte noch einmal aufgearbeitet werden.

Daneben gibt es die schon erwähnten Praktika, welche aus sechs bis zehn Versuchen pro Semester bestehen. In den ersten Semestern dauern die Versuche an sich nur ein, zwei Stunden und auch die Vorbereitung beansprucht wenig Zeit. Für das Schreiben der Berichte alleine oder mit seinem Praktikumspartner müssen aber durchaus zehn und mehr Stunden veranschlagt werden, in den Fortgeschrittenenpraktika auch 20, neben einer mehrstündigen Vorbereitung und einem ganzen Tag im Labor. Gerade für diejenigen, die es später in den experimentalphysikalischen Bereich zieht, sind diese Praktika trotz ihres Zeitaufwandes äußerst wichtig.

Neben den Praktikumsberichten, welche man nach einer Erstkorrektur zurückerhält und für die Endabgabe, welche benotet wird, noch einmal überarbeiten kann, gibt es in sämtlichen Veranstaltungen Klausuren, was pro Semester in der Regel drei Stück sind. In den höheren Semestern kann es vorkommen, dass statt einer Klausur eine mündliche Prüfung zur Ermittlung der Veranstaltungsnote herangezogen wird.

Dadurch, dass das Physikstudium ein Bachelor-Master-Studiengang ist, kann man das Studium als verschult bezeichnen. Man geht zu den Vorlesungen, macht die Übungszettel und schreibt die Klausuren. Nacharbeiten oder selbst erarbeiten in der Bibliothek, ist nur dann erforderlich, wenn man nicht zu den Vorlesungen geht, ein Dozent nicht so gut ist oder man Probleme bei einem bestimmten Thema hat.

 

Zukünftiges

In der Physik wird nach dem Bachelorstudium ein Masterstudium praktisch erwartet. Nach dem Master steht man vor der Entscheidung, ob man in die Wirtschaft geht oder weiter an der Universität bleibt. Bei Letzterem ist es nahezu unumgänglich zu promovieren (Dauer etwa drei bis fünf Jahre), während es bei Ersterem nicht für jeden angestrebten Posten erforderlich oder erwartet wird. Jedoch gilt auch hier, dass eine Promotion im passenden Bereich die Tür zu höheren Positionen öffnet.

Viele Physiker finden nach ihrem Physikstudium eine Arbeit in einem anderen Bereich als den der Forschung. Theoretische Physiker werden gerne von Banken und Versicherungen eingestellt, während Experimentalphysiker in nahezu sämtlichen Bereichen der Industrie gerne gesehen sind. Dass ein Physiker später nicht mehr direkt mit Physik arbeitet, ist dabei nichts Ungewöhnliches. Beispiele hierfür sind unserer momentane Bundeskanzlerin Frau Doktor Angela Merkel und der deutsche Chemienobelpreisträger 2014 Herr Professor Doktor Stefan Hell.

Glaubt man den Presseberichten, so haben Absolventen eines Physikstudiums mit die geringste Arbeitslosenquote in Deutschland und finden somit am schnellsten einen neuen Arbeitsplatz

Unabdingbar sind dabei sehr gute Englischkenntnisse, denn bereits gegen Ende des Bachelorstudiums ist die Literatur vermehrt nur noch in Englisch erhältlich, von Papern (Veröffentlichungen) ganz absehen, welche nur auf Englisch geschrieben sind. Daher bieten viele Universitäten in Deutschland den Physik Masterstudiengang auch auf Englisch an.

Praktika (bei Unternehmen) sind in der Physik während des Studiums eher ungewöhnlich. Stattdessen bietet es sich an im dritten oder vierten Semester als studentische Hilfskraft (SHK) in einer Arbeitsgruppe anzufangen. Neben dem Geld bekommt man auch so Kontakt zu Doktoranten und Post-Docs und bekommt Einblicke in den Forschungsalltag an der Universität. Auch ist es üblich, seine Bachelorarbeit in der Arbeitsgruppe zu schreiben, in der man SHK ist.

 

Persönliches Fazit

Ich würde Physik jederzeit wieder studieren und auch jederzeit wieder an der Universität Paderborn.

Ersteres liegt daran, das Physik mir viel Spaß macht und ich merke, dass es das ist, was ich gut kann und später beruflich machen will.

Letzteres liegt daran, dass die Physik in Paderborn einen sehr guten Ruf hat, welcher allerdings unter Schülern und Studenten weitestgehend unbekannt ist. Für mich ist diese Tatsache in der Hinsicht ein Vorteil, dass in Paderborn pro Wintersemester nur etwas 40 neue Studenten anfangen, deren Zahl sich recht schnell halbiert. Für die Verbleibenden gibt es eine exzellente Betreuung ohne feste Sprechstunden bei Dozenten, Schlangen vor dem Prüfungssekretariat oder übervolle Vorlesungen. Auch gibt es mehr SHK-Stellen als interessierte Studenten und die Dozenten werben um Studenten, die Bachelor- oder Mastarbeiten in ihren Arbeitsgruppen schreiben.

Ein weiterer Vorteil, den ich demnächst wahrnehmen werde, ist, dass von den recht wenigen Studenten der Physik noch weniger ein Auslandssemester planen. In der letzten Bewerbungsphase war ich der einzige Bewerber für einen Auslandsaufenthalt generell und speziell für Umeå, sodass die Hürden im Bezug auf die Bewerbung und das Auswahlgespräch nicht derart hoch waren, wie es in Studiengängen mit vielen Studenten und dementsprechend Bewerbern der Fall ist. Letztlich habe ich so die Möglichkeit, sogar für zwei Semester in Schweden zu studieren und werde in dieser Zeit über ein ERASMUS+-Stipendium gefördert.

Allerdings sollte ich auch erwähnen, dass Freizeit bei mir bis zu der Zeit nach dem Studium aufgeschoben ist. Wenn ich mich unter den Kommilitonen umsehe, die mit mir anfangen haben zu studieren und jetzt noch dabei sind ihren Bachelor in sechs Semestern zu beenden, dann bin ich damit kein Einzelfall, sondern die Regel (zumindest in Paderborn). Gerade beim Schreiben der Berichte in den Fortgeschrittenenpraktika neben den normalen Vorlesungen und Übungen, bleibt kaum mehr Zeit, sich etwas auszuruhen, von das Studentenleben genießen einmal ganz abgesehen. Es ist zumindest bei mir aber nicht so, dass ich unter dem Stress leide. Vielmehr lernt man, mit dem Stress umzugehen und der Spaß, den man mit den Kommilitonen, aber auch mit seinen Dozenten hat, lässt einen den Stress recht schnell wieder vergessen.

Eine geringe Zahl an Studenten begünstigt auch die Zusammenarbeit der Stundenten untereinander, da es keinen Konkurrenzdruck gibt, was mir persönlich sehr gut gefällt.

Über den Autor

Sebastian Brauner (27)
Studiengang: Physik
Uni/Hochschule: Universität Paderborn
Regionalgruppe: Stuttgart (Regionalleitung)

Sebastian Brauner ist 27 Jahre alt und hat Physik an der Universität Paderborn studiert. Im Jahr 2010 in den Studienkompass aufgenommen, begann er direkt nach seinem Abitur ein Physikstudium. Mittlerweile ist Sebastian im Aluminiverein des Studienkompass als Regionalleiter aktiv. Dabei gefällt ihm besonders, sich mit neuen Leuten über ihre Erfahrungen im Studium auszutauschen.